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Gemeinsam gegen Waffen in Kinderhänden

pax christi aktiv im Bündnis Kindersoldaten

Ralf Willinger

Innocent rennt so schnell er kann, er rennt um sein Leben. Die Stiefel, die ihm beim letzten Fluchtversuch zum Verhängnis geworden waren, hat er diesmal ausgezogen, damit sie ihn nicht gleich hören. Er weiß, diesmal würden sie ihn nicht verschonen. Als er den anderen, die in den Hütten nach Mädchen suchen, Rückendeckung geben soll, ist er kurz unbewacht. Er flieht in den Busch, sein deutsches Sturmgewehr G3 fest im Griff. Seine Kameraden schießen und brüllen noch hinter ihm her und verfolgen ihn, aber irgendwann geben sie auf. Der ehemalige Kindersoldat Innocent Opwonya war zehn Jahre alt, als ihn die Lord Resistance Army (LRA) in Norduganda entführte und zwang, als Soldat zu kämpfen. Seinen Vater hatten die Rebellen auch mitgenommen und später erschossen. 

Nach drei Monaten konnte Innocent in sein Heimatdorf und zu seiner Familie fliehen. Nach schweren Jahren, in denen er nicht zur Schule gehen konnte und arbeiten musste, damit seine Familie überleben konnte, hatte er Glück: Er bekam ein Stipendium und konnte später in Uganda einen Universitätsabschluss machen, heute studiert er in Siegen Wirtschaftswissenschaften. Kinder als Soldaten Weltweit gibt es schätzungsweise 250.000 Kindersoldat*innen in mindestens 20 Ländern. Sie müssen kämpfen, spionieren, Verletzte bergen oder ihren Kommandeuren sexuell zu Diensten sein. Nach Definition der Pariser Prinzipien der Vereinten Nationen sind Kinder unter 18 Jahren, die Teil einer bewaffneten Gruppe oder Armee sind, als Kindersoldat*innen einzustufen.

Laut aktuellem Jahresbericht des UN-Generalsekretärs zu Kindern in bewaffneten Konflikten kämpften im Jahr 2017 in Somalia, Südsudan, Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Syrien und Jemen besonders viele Kindersoldate*innen, darunter auch Mädchen. In Syrien wurden die meisten Kinder vom Islamischen Staat, der Freien Syrischen Armee und kurdischen Gruppen (YPG/YPJ) rekrutiert, außerdem auch von der syrischen Armee, Pro-Assad-Milizen und mindestens acht weiteren bewaffneten Gruppen. In Kolumbien wurden infolge eines Friedensvertrages mit der FARC-Guerilla 7.000 Kämpfer entwaffnet und demobilisiert, darunter viele Minderjährige. terre des hommes unterstützt ihre Reintegration durch Traumaarbeit, Schul- und Ausbildungsprogramme. Doch werden Kinder weiterhin im Land von anderen Guerilla-Gruppen sowie von paramilitärischen und kriminellen Gruppen rekrutiert. 

Aktion Rote Hand
Einmal im Jahr, am Red Hand Day am 12. Februar, protestieren in Deutschland und vielen anderen Ländern Tausende von Menschen gegen den Einsatz von Kindersoldat*innen. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, ein Bündnis von elf Kinderrechts- und Entwicklungsorganisationen, darunter pax christi, ist Initiator der Aktion Rote Hand und koordiniert die Aktivitäten in Deutschland. Bei der Aktion Rote Hand wird auch auf die steigenden deutschen Waffenexporte in Krisenregionen aufmerksam gemacht. Im Jahr 2017 gingen über 60 Prozent aller Rüstungsexporte in sogenannte Drittländer, also Staaten, die weder zur NATO oder EU gehören, ein neuer Rekordwert. Zu den größten deutschen Waffenempfängern gehörten 2017 wieder Länder wie Saudi-Arabien und Indien, die an Kriegen und bewaffneten Konflikten beteiligt sind, in denen Kinder getötet, rekrutiert, vertrieben und sexuell ausgebeutet werden. So ist die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition laut UN-Berichten für mehr als die Hälfte aller getöteten und verletzten Kinder im Jemen sowie für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser und für die Zwangsrekrutierung von Kindern verantwortlich.

Stopp deutscher Rüstungsexporte
Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und das Bündnis für den Stopp von Waffenexporten, „Aktion Aufschrei –Stoppt den Waffenhandel!“, fordern von der Bundesregierung eine sofortige Kehrtwende in der Rüstungsexportpolitik, vor allem einen kompletten Exportstopp für Kleinwaffen und -munition, der tödlichsten Waffengattung für Zivilisten. Innocent Opwonya hat 2018 Rote-Hand-Aktionen in Berlin und Mainz unterstützt und wird auch in 2019 wieder aktiv sein. Für den 28-Jährigen ist klar: „Die Konfliktgebiete quellen über mit Waffen aller Art. Ich appelliere an alle verantwortlichen Regierungen, diese Waffenexporte in Kriegsregionen zu stoppen. Fordern auch Sie als Bürgerin oder Bürger Ihre Regierung dazu auf.“ 

Ralf Willinger ist Referent für Kinderrechte beim Kinderhilfswerk terre des hommes in Osnabrück, Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten und Mitglied im Trägerkreis der “Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!” 

Zum Tag der Menschenrechte eröffnete der pax christi-Diözesanverband München-Freising seine Ausstellung über Kindersoldaten.
Kontakt und Verleih: muenchen@paxchristi.de

Petition zum Stopp von Waffenexporten:
www.stoppt-waffenexporte.de

Weitere Informationen:
www.redhandday.org
www.kindersoldaten.de
www.aufschrei-waffenhandel.de 

 

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